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What The Fuck?

Da ist er wieder, der schlechte alte VfB, den niemand, aber auch wirklich niemand vermisst hat:

Machtkampf beim VfB: Hitzlsperger tritt gegen Vogt an

Quelle: SWR SPort

Thomas Hitzlsperger (Vorstandsvorsitzender und Vorstand Sport der VfB Stuttgart 1893 AG) will also auch noch Präsident des VfB Stuttgart e.V. werden. Das hat er mittlerweile auch bestätigt und einen langen offenen Brief geschrieben, in dem Claus Vogt massiv angegangen wird und man ganz nebenbei auch viele interne Informationen lesen kann. Vielleicht ist an diesen Vorwürfen etwas dran, vielleicht ist es aber auch nur eine Frage der Perspektive auf die Themen. Wir kennen bisher nur eine Seite, da fällt eine Einschätzung schwer. Dass seit Wochen eine öffentliche Kampagne gegen Claus Vogt läuft, ist allerdings unübersehbar, über die Hintergründe kann jede*r selbst Vermutungen anstellen.

Diese Meldung ist natürlich wie eine Bombe eingeschlagen und wirft ein zweifelhaftes Licht auf den VfB und die handelnden Personen. Zumindest auf einige von ihnen. Solch ein Affront gab es bisher wahrscheinlich nicht allzu oft im deutschen Profifußball, aber der VfB war sich ja noch nie für neue Tiefpunkte zu schade.

Im Artikel wird für eine mögliche Wahl Hitzlspergers folgende Konstellation genannt: Hitzlsperger bleibt weiter Vorstandsvorsitzender (mit den entsprechenden Bezügen), übernimmt das Amt des Präsidenten auf ehrenamtlicher Basis und stellt seinen Sitz im Aufsichtsrat zur Verfügung. Dieser frei werdende Sitz könnte dann grundsätzlich mit jedem ordentlichen Mitglied des e.V. besetzt werden. Zunächst wäre das die endgültige Übernahme der „Macht“ beim VfB durch die AG und deren Protagonisten. Der e.V. hätte zwar weiterhin die gleiche Zahl von Sitzen im Aufsichtsrat, würde aber meiner Vermutung nach den Posten des AR-Vorsitzenden verlieren und nur noch zwei „normale“ Mitglieder stellen. Oder anders gesagt: Der Verein hat nur noch eine eingeschränkte Kontrollmöglichkeit über die AG, die immer noch zur Mehrheit ihm (und damit auch den Mitgliedern gehört). Es ist nirgendwo festgeschrieben, dass der Präsident/die Präsidentin des Vereins auch den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen muss, das wurde halt unter Dietrich und Vogt einfach so gehandhabt. Wer das ändern will, hat hier aber jegliche Möglichkeit auf seiner Seite. Zum anderen haben wir dann aber potenziell auch wieder die Gefahr des Interessenkonfliktes, weil Hitzlsperger dann nicht nur in der AG operativ alle Fänden in der Hand hält, sondern auch in entscheidender Position beim e.V. mitmischt. Immerhin wird im Präsidium ja auch entschieden, mit welchen Vorgaben man in den Aufsichtsrat geht und was dort erreicht werden soll. Den Zirkelbezug kann man sich dann ohne Schwierigkeiten vorstellen. Immerhin würden die Beschlüsse dann zukünftig ja wahrscheinlich wieder einstimmig gefällt werden …

Und es wäre für mich auch so, dass man sich damit ganz klar gegen das Votum der Mitglieder stellt, die nicht nur Wolfgang „Sonnenkönig“ Dietrich das Misstrauen ausgesprochen oder ihn sogar abgewählt hätten (wenn man denn damals hätte wählen können), sondern auch ganz bewusst mit Claus Vogt einen Präsidenten gewählt haben, der eben NICHT in dem ganzen Klüngel aus Männerfreundschaften im und um den VfB drinsteckt. Weil wir hier endlich etwas ändern wollten. Aber scheinbar ist es wie mit der Hydra: Sobald man einen Kopf abschlägt, wachsen an anderer Stelle zwei neue nach.

Es gibt aber neben all den vereinspolitischen Aspekten für mich auch noch eine persönliche, menschliche Komponente. Ähnlich wie bei der Datenschutz-Affäre, wo es eine rechtliche und eine moralische Ebene gibt. Denn selbst wenn das den Statuten/Rechtsvorschriften/etc. nach in Ordnung ist, dann macht man so etwas einfach nicht. Punkt! Hier wird Claus Vogt als Person und Unternehmer massiv beschädigt, hoffentlich bleibt da nichts hängen. Das ist definitiv ein Stil, den ich beim VfB nicht mehr sehen möchte.

Bei allem sportlichen Erfolg: Das alles ist einfach nur zum Kotzen!

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1 Kommentar

  1. Thilo Schaefer 30. Dezember 2020

    Grundsätzlich hast du die richtigen Worte gefunden. Man sollte jetzt die Sache jetzt einige Tage setzen lassen. Als ehemaliger Bewerber habe ich auch so meine Erfahrungen mit einem AR Mitglied gemacht.

    Problem ist halt‘ die fehlende Transparenz. Mit gelegentlichen wenig inhaltlichen Emails an die Mitglieder ist es eben nicht getan.
    Kurzum: die Sache wird spannend bleiben

    Viele Grüße
    Thilo Schäfer
    Thilo.1@web.de

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