{"id":3820,"date":"2022-12-30T15:40:56","date_gmt":"2022-12-30T14:40:56","guid":{"rendered":"https:\/\/nachspielzeit.online\/?p=3820"},"modified":"2022-12-30T16:34:02","modified_gmt":"2022-12-30T15:34:02","slug":"trauerspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nachspielzeit.online\/2022\/12\/30\/trauerspiel\/","title":{"rendered":"Trauerspiel"},"content":{"rendered":"\n

Prolog<\/h2>\n\n\n\n

Ich wei\u00df gar nicht mehr, wie lange ich es schon aufschiebe, diesen Blogartikel zu schreiben. Wochen? Eher Monate. Dabei h\u00e4tte man aus alledem, was in diesem Jahr beim VfB Stuttgart passiert ist, ein Buch schreiben k\u00f6nnen. Eine vielschichtige Trag\u00f6die mit nur wenigen Lichtblicken. <\/p>\n\n\n\n

Ich habe mich \u00fcber die letzten Monate sehr bewusst zur\u00fcckgehalten und viele Dinge nicht mehr kommentiert, egal ob hier im Blog oder auf Twitter. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind mannigfaltig, haben aber unter anderem mit der sehr volatilen und auch komplexen Situation beim VfB sowie der Diskussionskultur im Umfeld zu tun („Kultur“ ist nat\u00fcrlich das komplett falsche Wort, dazu aber sp\u00e4ter mehr). Aber das Jahresende steht an und da kann man schon mal zur\u00fcckschauen, auch wenn dies kein Jahresr\u00fcckblick im klassischen Sinne sein soll.<\/p>\n\n\n\n

R\u00fcckschritte<\/h2>\n\n\n\n

In der VfB Stuttgart 1893 AG wird nicht nur Profifu\u00dfball gespielt, sondern dort sitzt auch das (meiste) Geld, die Mitarbeitenden, das Know-how und die Kommunikation. Oder zumindest das, was man an der Mercedesstra\u00dfe f\u00fcr Kommunikation h\u00e4lt. Denn was man da in diesem Jahr alles ertragen musste, hat viele Dinge schlicht noch schlimmer gemacht, als sie ohnehin schon waren und sind. Egal, ob wir \u00fcber eine desastr\u00f6se Pressekonferenz, flapsige „Entspannt Euch mal“-Spr\u00fcche des Vorstandsvorsitzenden oder ein l\u00e4cherliches Selbstinterview sprechen: Handwerklich ging schief, was nur schiefgehen konnte. Wann wird das endlich mal besser? Wahrscheinlich fr\u00fchestens, nachdem man wieder Abos f\u00fcr VfB-TV abschlie\u00dfen kann, also irgendwann im Jahre 2036 oder so.<\/p>\n\n\n\n

Als Alexander Wehrle sein Amt antrat, war ich durchaus positiv gestimmt, immerhin l\u00f6ste hier jemand mit nachgewiesener Erfahrung im Business den Vorstands-Azubi ab, der sich zuvor mit gemischtem Erfolg beim VfB versucht hatte. Und wenn man im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch ist, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass Alexander Wehrle bei einer breiten Palette von Themen schon wei\u00df, wovon er spricht (oder zumindest jeweils gut vorbereitet ist). Einordnend sollte man dabei aber immer bedenken, dass er nat\u00fcrlich die Kunst der „zielgruppengerechten Ansprache“ auf das Beste beherrscht und man das Gesagt durchaus hinterfragen sollte. Und trotz alledem muss man nach den ersten Monaten den Eindruck gewinnen, dass den handelnden Personen beim VfB in diesem Jahr (mal wieder) viel zu viele Dinge entglitten sind.<\/p>\n\n\n\n

Bei einer positiven Betrachtungsweise k\u00f6nnte man sagen, dass Alexander Wehrle einen klaren Plan verfolgt, der aus Sachzw\u00e4ngen heraus entstanden ist (die prek\u00e4re finanzielle Situation sei hier ein Beispiel), und diesen dann mit aller Konsequenz durchzieht. Wohl wissend um manch unpopul\u00e4re Entscheidung und den daraus resultierenden Gegenwind. Vielleicht ist es tats\u00e4chlich das, was der VfB in der aktuellen Lage braucht, dennoch f\u00fchlt es sich von Au\u00dfen gesehen ganz und gar nicht gut, ja sogar falsch an. F\u00fcr mich zumindest.<\/p>\n\n\n\n

Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir uns auf der diesj\u00e4hrigen Mitgliederversammlung mit gro\u00dfen Augen angeschaut haben, als Wehrle das „Bonbonle“ Khedira, Lahm und Gentner zur Sprache brachte. Was sollten genau deren Aufgaben sein? Wie w\u00fcrden sie dem VfB weiterhelfen? Und warum stellt man jemanden ein, dessen Aufgabenprofil noch gar nicht klar definiert ist? Diese Verwunderung schlug dann am Folgetag in blankes Entsetzen um, als die Welt Zeuge einer der denkw\u00fcrdigsten Pressekonferenzen wurde, die man beim VfB gesehen hat. Da sa\u00dfen dann sechs M\u00e4nner auf dem Podium, die mehr schlecht als recht erkl\u00e4ren konnten, was denn nun der Zweck der \u00dcbung sei und in Bezug auf konkrete Inhalte komplett am Schwimmen waren. Wenn man dies dann auch noch im Kontext der internen Kommunikation betrachtet (Mislintat wurde ja erst kurz vorher \u00fcber die Ver\u00e4nderungen informiert), dann kann man wahrlich nur den Begriff „Shitshow“ verwenden. Ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde es auch nicht wollen, wenn ich als Verantwortlicher in dieser Weise vor vollendete Tatsachen gestellt werden w\u00fcrde und in diese nicht unwesentlichen Entscheidungen nicht eingebunden gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n

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Nat\u00fcrlich komme auch ich nicht um die Personalie Sven Mislintat herum. Der ehemalige Sportdirektor kann einiges auf der Habenseite verbuchen: Er ist Mitinitiator des „neuen Weges“ des VfB, hat mit Pellegrino Matarazzo den langlebigsten Trainer der letzten Jahre eingestellt, das Scouting auf neue, datenbasierte Beine gestellt (kein Wunder, immerhin ist er ja Mitgr\u00fcnder der Matchmetrics GmbH) und zudem hat er den VfB auf angenehm authentische Weise auch immer wieder nach Au\u00dfen repr\u00e4sentiert. Dennoch kann ich pers\u00f6nlich mehr als gut damit leben, dass er den VfB zu Ende November verlassen hat. So, jetzt habe ich es gesagt. Auch wenn ich ihn weiterhin als absolut f\u00e4higen Fu\u00dfballfachmann sehe, so haben sich f\u00fcr mich am Ende auf der Soll-Seite doch zu viele Dinge angeh\u00e4uft. Rein sportlich betrachtet, hat er einen unrunden Kader auf die Beine gestellt. Auch bei den Transfers fehlte ihm zunehmend das n\u00f6tige Gl\u00fcck, zu wenige Wetten auf eine Entwicklung der meist recht jungen Spieler hat er gewinnen k\u00f6nnen. Er hat zu lange an Matarazzo festgehalten und in der Causa Wimmer dann als F\u00fchrungskraft mit seinem Vorgehen und \u00c4u\u00dferungen komplett daneben gelangt. Zudem war es ihm aus meiner Sicht irgendwann auch zunehmend wichtiger, sich und seine Marke zu positionieren. Diverse Aussagen in Interviews und geschickt fallengelassene Bemerkungen waren da sicher hilfreich. Allerdings, auch das geh\u00f6rt zur Wahrheit, hat man es ihm vonseiten der AG als Arbeitgeber auch wahrlich einfach gemacht, sich entsprechend darzustellen.<\/p>\n\n\n\n

Und dann ist jetzt wieder Bruno Labbadia der Trainer des VfB. Mit einem Vertrag bis 2025! Ich kann diese Verpflichtung aus der unbedingten Notwendigkeit des Klassenerhaltes nachvollziehen. Auch die Vertragslaufzeit ist bei n\u00fcchterner Betrachtung wenig verwunderlich und erkl\u00e4rbar, denn wer w\u00fcrde schon einen Vertrag nur bis Ende der Saison unterschreiben (auch wenn ich mir das sehr gew\u00fcnscht h\u00e4tte)? Der VfB darf nicht erneut in die zweite Liga absteigen und da scheint Labbadia die logische Wahl. Gut finde ich sie trotzdem nicht, denn mir fehlt mit dieser Personalie absolut die Fantasie, wie sich der VfB weiter auf dem zuvor eingeschlagenen Weg halten und entwickeln soll. Gerne lasse ich mich eines Besseren belehren, aber f\u00fcr mich steht der neue Trainer f\u00fcr R\u00fcckschritt denn Fortschritt. Und gliedert sich so leider hervorragend in das Bild ein, dass ich nun seit Monaten von der VfB Stuttgart 1893 AG habe. Hoffentlich kann Fabian Wohlgemuth das irgendwie aufbrechen, auch wenn dies fast unm\u00f6glich zu sein scheint.<\/p>\n\n\n\n

Leerraum<\/h2>\n\n\n\n

Was geht eigentlich so beim VfB Stuttgart 1893 e.V.? Scrollt man auf der Website mal durch die News, wird man wenig finden. Ok, man hat im Juni endlich das lange angek\u00fcndigte Positionspapier<\/a> ver\u00f6ffentlicht, in dem viele gute Dinge stehen, das am Ende aber doch auch so allgemein ist, dass ich mir kaum die Diskussionen vorstellen will, die zu diesem Kompromiss gef\u00fchrt haben. Geburtstagsgr\u00fc\u00dfe, Adventsabend und vereinzelt mal was zu den anderen Abteilungen. Aber welche Projekte gerade laufen? Welche Themen im Pr\u00e4sidium wichtig waren? Was der Vereinsbeirat in diesem Jahr so in Angriff genommen bzw. wo er unterst\u00fctzt hat? Ideen und Ans\u00e4tze, in welche Richtung der e.V. weiterentwickelt werden k\u00f6nnte? Alles im Gro\u00dfen und Ganzen Fehlanzeige. Einzig die Rede von Rainer Weninger und Andr\u00e9 B\u00fchler auf der Mitgliederversammlung war ein positiver Fingerzeig mit klaren Aussagen.<\/p>\n\n\n\n

Mir ist durchaus bewusst, dass die meisten VfB-Mitglieder und -Fans wahrscheinlich recht wenig Interesse an Belangen des e.V. haben und gut auch ohne weitere dazu Informationen leben k\u00f6nnen. Wenn ich mir allerdings anschauen, mit viel Nichtwissen dann doch immer noch ein nicht geringer Teil des Umfeldes unterwegs ist, dann k\u00f6nnte es nicht schaden sich auch mal damit zu besch\u00e4ftigen. Dass es immer noch Menschen gibt, die die Strukturen beim VfB nicht verstanden haben, aber vor allem auf Social Media selbstbewusst dazu irgendwelchen Unsinn von sich geben, ist schon beeindruckend im negativen Sinne. Oft sind das dann aber auch diejenigen, die sich auch bei anderen Themen rund um den VfB nicht unbedingt mit Fakten oder Sachkenntnis aufhalten. Aber das ist ein anderes Thema.<\/p>\n\n\n\n

Ich wei\u00df, dass man sich beim e.V. in sportlich unruhigen Zeiten lieber zur\u00fcckh\u00e4lt und dem Profifu\u00dfball die B\u00fchne \u00fcberl\u00e4sst. Aber gleiche eine derma\u00dfen dr\u00f6hnende Stille muss auch nicht sein. Oder ist es dann doch so, dass man beim e.V. mal wieder allenthalben nur mit sich selbst besch\u00e4ftigt ist und vor lauter Krisen und Unstimmigkeiten kaum zum Arbeiten kommt? Gr\u00e4ben in den Gremien erfordern schlie\u00dflich viel Aufmerksamkeit und Energie, da bleibt sonst nicht mehr viel f\u00fcr anderes \u00fcber. Oder stimmt das in der Presse kolportierte Bild hier gar nicht?<\/p>\n\n\n\n

Mit zunehmendem Verlauf des zweiten Halbjahres hatte ich \u00fcbrigens zwischendurch mal gedacht, ob der VfB eine neue Abteilung f\u00fcr „Apnoe-Tauchen“ gegr\u00fcndet hatte, so sehr ist Claus Vogt abgetaucht. Je mehr Unruhe sich im Club verbreitete, desto tiefer ging der Tauchgang. Gelegentlich mal ein Zitat in einer Verlautbarung des Vereins und ein mehr als ungl\u00fccklicher Auftritt auf der oben schon erw\u00e4hnten Pressekonferenz stehen zu Buche, sonst eher wenig. Konflikte bis zu einem gewissen Grad auch nach Au\u00dfen moderieren? Dem VfB und seinen Mitgliedern Halt geben? Dem VfB gerade in dieser schwierigen Phase ein Gesicht geben? Nichts davon. <\/p>\n\n\n\n

Es ist sicherlich so, dass das Amt eines Pr\u00e4sidenten viel von einer Person verlangt, manchmal vielleicht auch zu viel. Und man kann auch schlechte Phasen zugestehen. Wenn es aber so wie in den letzten Monaten immer unertr\u00e4glicher wird, dann ist es meiner Meinung nach die verdammte Pflicht des Pr\u00e4sidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden klare Kante zu zeigen! Stattdessen bekommt man eher den Eindruck, dass es mehr darum geht, den eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen zu wollen. Und das ist mindestens entt\u00e4uschend, auch wenn ich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann, dass die letzten Jahre wahrscheinlich auch ihre Spuren bei Claus Vogt hinterlassen haben. Die st\u00e4ndigen Angriffe gehen an niemandem einfach so vor\u00fcber und zerm\u00fcrben irgendwann.<\/p>\n\n\n\n

Hoffnungsschimmer<\/h2>\n\n\n\n

Es wird nicht \u00fcberraschen, dass ich noch ein paar Worte zum Fu\u00dfball der Frauen verlieren m\u00f6chte. Die Hafenbahnstra\u00dfe ist f\u00fcr mich in Bezug auf den VfB ein wenig so etwas wie der „happy place“ geworden. Nicht nur ist es faszinierend dort der Entwicklung der Mannschaften zuzuschauen, es ist f\u00fcr mich mittlerweile auch der ehrlichere Fu\u00dfball.<\/p>\n\n\n\n

Im Verlauf dieses Jahres war sch\u00f6n zu beobachten, wie durch die Kooperation tats\u00e4chlich eine gewisse Professionalisierung eingesetzt hat. Das kann man in der Trainingsarbeit gut beobachten, sieht es aber zum Beispiel auch in der Medienarbeit. Heiko Gerber und seinem Team bei der Arbeit zuzuschauen, ist nicht nur interessant, sondern macht tats\u00e4chlich auch Spa\u00df. Insbesondere vor dem Hintergrund des massiven Verletzungspechs ist es beeindruckend, was die Mannschaft zu leisten in der Lage ist. Es wird diese Saison sicherlich keinen Durchmarsch geben, bei dem dem VfB die Punkte nur so zufliegen. Vielmehr ist jedes Spiel und jede Trainingseinheit harte Arbeit und das sieht man mitunter auch. Dazu kommt auch der Druck, den das Wappen auf der Brust sicherlich mit sich bringt. Ich bin aber fest davon \u00fcberzeugt, dass dies auch dazu beitragen kann, dass eine nachhaltige Entwicklung m\u00f6glich ist. Sch\u00f6n ist auch, dass das auch f\u00fcr die U17 gilt, die im vergangenen Jahr einen wahnsinnige Sprung gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n

Alles eitel Sonnenschein also? Nicht unbedingt, wenn ich das von Au\u00dfen richtig beobachte. Mein Eindruck ist, dass dieses gesamte Projekt dann doch mehr Komplexit\u00e4ten und Aufw\u00e4nde mit sich gebracht hat, als manche vielleicht gedacht hatte. Und dann ziehen sich die Gespr\u00e4che mit den Verb\u00e4nden genauso lange hin wie die Suche nach Sponsoren. Dauert es l\u00e4nger, bis etwa die Mannschaftsausstattung komplett vorhanden ist. Und man musste dann zu Saisonbeginn auch noch einen neuen Trainer finden. Au\u00dferdem bin ich mir tats\u00e4chlich nicht so sicher, ob die dann doch recht kurzfristige (man k\u00f6nnte auch sagen „\u00fcbereilte“) Eingliederung in die AG unbedingt so gut war. Es mag ein Zeichen sein, wie wichtig der Fu\u00dfball der Frauen f\u00fcr den VfB ist und wahrscheinlich ist es f\u00fcr die n\u00f6tigen Geldfl\u00fcsse auch einfacher. Ob das aber im Sinne der urspr\u00fcnglich beschlossenen Kooperation war und man damit den VfB Obert\u00fcrkheim auch etwas \u00fcberfahren hat? Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n\n\n\n

Dennoch m\u00f6chte ich es auch hier nicht vers\u00e4umen dazu aufzurufen, mal zu einem Spiel in die Hafenbahnstra\u00dfe nach Obert\u00fcrkheim zu kommen. Es lohnt sich!<\/p>\n\n\n

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Der OFC „Achtzehnhundertdreiundneunuzig“ unterst\u00fctzt die Frauenmannschaften<\/a> seit Beginn der Saison mit einem Transparent und ist auch in persona immer vor Ort.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n

Vom schwierigen …<\/h2>\n\n\n\n

Das „Schwierige UmfeldTM<\/sup>“ beim VfB ist legend\u00e4r, wenn auch in seiner Breite immer wieder deutlich \u00fcbersch\u00e4tzt. Und so sitzen die „besorgten Mitglieder“ eher selten in der Cannstatter Kurve, sondern \u00fcbergeben lieber im Rahmen eines Spiels ein selbst bezahltes Gutachten im Business-Bereich. Pierre-Enric Steiger, der auch aufgrund mangelnder inhaltlicher Substanz gescheiterte Ex-Pr\u00e4sidentschaftskandidat, war so um den Schlaf gebracht, dass er zu solch drastischen Mitteln greifen musste, um seiner Sorge Ausdruck zu verleihen. Wahrscheinlich aufgeschreckt durch die \u00c4nderung des \u00a712 Absatz 8 (des in der Presse aus welchen Gr\u00fcnden auch immer sogenannten „Ron-Merz-Paragraf[en]“) auf der letzten Mitgliederversammlung hat er eine Pr\u00fcfung angesto\u00dfen, die kl\u00e4ren sollte, ob T\u00e4tigkeiten von drei Vereinsbeir\u00e4ten diesem Teil der Satzung entgegenstehen w\u00fcrden. Man mag \u00fcber die Motivation hinter diesem Vorgang spekulieren, reine Sorge um den Verein w\u00fcrde ich allerdings nicht unbedingt unterstellen wollen.<\/p>\n\n\n\n

Gut vorstellen kann ich mir, dass es f\u00fcr manche ein innerer Reichspar<\/s> inneres Blumenpfl\u00fccken gewesen sein muss, ausgerechnet diesen Paragrafen f\u00fcr den Vorsto\u00df verwenden zu k\u00f6nnen. Ich frage mich allerdings, ob man da nicht tats\u00e4chlich weit \u00fcbers Ziel hinausgeschossen ist. Ganz grunds\u00e4tzlich bin ich nat\u00fcrlich der Meinung, dass Regelungen der Satzung dazu da sind, eingehalten zu werden. Nicht umsonst gibt man sich ein Regelwerk, dass Zusammenleben im und Aufrechterhaltung des Vereins sicherstellen soll. Wenn man aber ein solches Gutachten in Auftrag gibt, dann sollte man sich auf Basis einer wasserdichten rechtlichen Einsch\u00e4tzung schon sehr sicher sein. Nun wurde das Gutachten ja zun\u00e4chst vom VfB zur\u00fcckgewiesen, was f\u00fcr mich die Vermutung nahelegt, dass es da dann wohl doch L\u00fccken gab. Inwieweit lagen denn zum Beispiel die relevanten Informationen vor, die f\u00fcr eine abschlie\u00dfende Bewertung unerl\u00e4sslich sind? Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass es sich dabei in den Sachverhalten auch um Interna handeln muss, die einer dritten Partei eigentlich nicht vorliegen sollten. Oder wurde mit Annahmen gearbeitet, deren Richtigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen w\u00e4ren? Hat man die Entstehungsgeschichte bzw. Sinn und Zweck des Paragrafen umfassend ber\u00fccksichtigt? Es gibt noch viele Fragen mehr, auf jeden Fall bin ich aber \u00fcber die sehr klare Schlussfolgerung zum Sachverhalt dann schon verwundert.<\/p>\n\n\n\n

Wenn ich die Zeitungsartikel richtig in Erinnerung habe, gab es in diesem Zusammenhang dann auch noch den Vorwurf, dass Claus Vogt hier seine Pflicht als Pr\u00e4sident verletzt habe, weil er dieses Gutachten nicht unmittelbar weitergegeben habe. Ich frage mich, woher das einfache Mitglied Steiger den Anspruch nimmt, dass dies so zu geschehen habe? Alles in allem eher ein Schuss ins Knie. Oder vielleicht doch nur ein Testballon?<\/p>\n\n\n\n

… zum toxischen Umfeld<\/h2>\n\n\n\n

Schon der r\u00f6mische Politiker und Schriftsteller Cicero beklagte mit „O tempora, o mores!<\/em>“ den Verfall der Sitten, insgesamt ist dies also ganz offensichtlich etwas, dass die Menschheit bereits seit Langem begleitet. Rund um den VfB konnte ich dies im vergangenen Jahr wie unter einem Brennglas insbesondere auf Twitter verfolgen. Dort, wo man sich einst so \u00fcberlegen den Kommentaren auf Facebook f\u00fchlte, haben sich wirklich Abgr\u00fcnde aufgetan.<\/p>\n\n\n\n

Die Geschehnisse rund um den VfB haben in diesem Jahr bei immer mehr Leuten die Trigger getroffen, die sie in eine Verschw\u00f6rungsideologie haben abgleiten lassen (und ja, ich spreche ganz bewusst von „Ideologie“, denn eine „Theorie“ lie\u00dfe sich ja mit Fakten widerlegen). Dass es mittlerweile eine Verwerfung innerhalb der Anh\u00e4ngerschaft des VfB gibt, l\u00e4sst sich nicht mehr \u00fcbersehen. Bin\u00e4re Betrachtungsweisen beherrschen den Austausch, Zwischent\u00f6ne findet man viel zu selten. Im Zusammenhang mit Verschw\u00f6rungsideologien wird immer wieder davon gesprochen, dass f\u00fcr viele Menschen ein Abgleiten in solche Gedankenwelten mit einem Kontrollverlust zusammenh\u00e4ngt. Beim VfB scheint das f\u00fcr viele mit der Person Mislintat verbunden zu sein, bestes Beispiel daf\u00fcr ist die Petition, mit der ein paar tausend Menschen solch eine (gef\u00fchlte) Kontrolle zur\u00fcckgewinnen wollten. Dazu kommt dann noch die offensichtliche Erosion des Vertrauens in die handelnden Personen und schon entsteht eine explosive Mischung, die sich vor allem in den Sozialen Medien mittlerweile ungehindert Bahn bricht und an vielen Stellen keinerlei Ma\u00df mehr kennt. Nichts gegen einen inhaltlichen Dissenz, man muss nicht immer einer Meinung sein (und schon gar nicht meiner). Ein wirklicher Austausch ist aber (mir) in diesem Klima kaum noch m\u00f6glich. Traurig bin ich allerdings dar\u00fcber, dass es auch ein paar Menschen gibt, die mir so leider fremd geworden sind.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbrigens: Es ist ein in der Satzung vorgesehener Vorgang, dass Mitglieder unter bestimmten Voraussetzungen eine au\u00dferordentliche Mitgliederversammlung einberufen k\u00f6nnen. Dies aber \u00fcber eine Website orchestrieren zu wollen, die zwar flei\u00dfig Daten sammelt, deren Betreiber aber anonym bleiben wollen, ist mehr als fragw\u00fcrdig. Ich finde nirgendwo auf der Website Hinweise darauf, wie denn mit den \u00fcber das Formular gesammelten Daten umgegangen wird. Ist der Schutz der Daten und ein m\u00f6glicher unbefugter Zugriff \u00fcber entsprechende Ma\u00dfnahmen wirklich gesichert? Kann man sich auf die lapidare Aussage zum Umgang mit den Daten auf der Website tats\u00e4chlich verlassen? Immerhin wei\u00df man ja nicht, wo das landet … Davon abgesehen: „Wehrle raus!“ und „Vogt raus!“ sind mir als Konzept inhaltlich doch zu d\u00fcnn, um das wirklich erst nehmen zu k\u00f6nnen. Aber macht mal, ist ja Euer gutes Recht.<\/p>\n\n\n\n


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Neben allen mehr oder weniger inhaltlichen Themen gibt es aber noch eine weitere Ebene, die in diesem Jahr deutlich zugenommen hat: Die der pers\u00f6nlichen Beleidigungen und Unterstellungen. Die Liste der Dinge, derer ich im Laufe der Monate bezichtigt wurde, ist lang und reicht von dem Vorwurf, dass ich mich \u00fcber jede Niederlage der Mannschaft freuen w\u00fcrde (weil es meiner pers\u00f6nlichen Agenda der \u00dcbernahme des VfB diene \ud83e\udd26\ud83c\udffb\u200d\u2642\ufe0f) bis hin zu dem Vorwurf, in unterschiedlicher Art und Weise pers\u00f6nliche Vorteile aus dem VfB ziehen zu wollen. \u00dcber manches kann ich aufgrund der Absurdit\u00e4t und Dummheit nur m\u00fcde l\u00e4cheln, aber es gibt auch Dinge, die Grenzen deutlich \u00fcberschreiten und mindestens Beleidigungen, noch \u00f6fter aber einfach Hatespeech sind. Beispiele? Bitte sehr, eine kleine Auswahl:<\/p>\n\n\n

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Wenn ich so etwas dann lese oder zugeschickt bekommen, denke ich mir oft: „Ach,im Grunde sollte ich mich nicht dar\u00fcber aufregen, da wird halt einfach prinzipiell ins unterste Regalfach gegriffen.“ Dennoch, insbesondere Tweets wie im ersten Beispiel (der dann wieder gel\u00f6scht wurde) gehen deutlich zu weit. Es mag in unsere Zeit passen, dass viele im Schutze der Anonymit\u00e4t jegliche Hemmungen verlieren und ihren Hass, Hetze und Verleumdung ins Internet kotzen. Hinnehmen muss man dies aber noch lange nicht.<\/p>\n\n\n\n

Deswegen: Sollte ich von solch pers\u00f6nlichen Angriffe in Zukunft mitbekommen, werde ich dies unter Umst\u00e4nden auch von dritter Seite nachverfolgen lassen. Das ist keine Drohung, aber da bin ich mittlerweile wirklich ganz schmerzfrei und werde nicht z\u00f6gern. Dazu steht mein Angebot weiterhin, Themen vor einem Heimspiel im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch zu kl\u00e4ren. Sagt mir doch ins Gesicht das, was ihr euch sonst nur unter Pseudonym vor dem Bildschirm traut.<\/p>\n\n\n\n

Epilog<\/h2>\n\n\n\n

W\u00e4hrend ich diesen Beitrag schreibe, sehe ich immer wieder Meldungen \u00fcber das t\u00e4gliche Training, lese \u00fcber angeblich so harte Trainingspl\u00e4ne und Kartenvorverk\u00e4ufe f\u00fcr die kommenden Bundesligaspiele. Und es ber\u00fchrt mich nicht. Das Schlimme: Ich wei\u00df aus einigen Gespr\u00e4chen mit ganz unterschiedlichen VfB-Fans, dass ich damit nicht alleine bin. Die Gr\u00fcnde m\u00f6gen vielleicht jeweils andere sein, das Ergebnis ist aber \u00e4hnlich. Und das sollte beim VfB alle Alarmglocken schrillen lassen!<\/p>\n\n\n\n

„Ja mein Gott, dann lass es halt!“ wird jetzt manch Leser*in denken. Und ehrlich, das ist wahrscheinlich gar nicht so falsch. Noch bin ich nicht so weit, aber dieser Punkt kommt aktuell immer n\u00e4her. Und dann bin ich vielleicht irgendwann nur noch in der Hafenbahnstra\u00dfe in Obert\u00fcrkheim und verfolge mit, wie sich dort der Frauenfu\u00dfball beim VfB entwickelt. Nicht die schlechteste Alternative.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Prolog Ich wei\u00df gar nicht mehr, wie lange ich es schon aufschiebe, diesen Blogartikel zu schreiben. Wochen? Eher Monate. Dabei h\u00e4tte man aus alledem, was in diesem Jahr beim VfB Stuttgart passiert ist, ein Buch schreiben k\u00f6nnen. Eine vielschichtige Trag\u00f6die mit nur wenigen Lichtblicken. Ich habe mich \u00fcber die letzten Monate sehr bewusst zur\u00fcckgehalten und […]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3838,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[22,12,1],"tags":[],"cp_meta_data":{"_edit_lock":["1672414442:2"],"_last_editor_used_jetpack":["block-editor"],"_edit_last":["2"],"_thumbnail_id":["3838"]},"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/nachspielzeit.online\/content\/uploads\/2022\/12\/12-Trauerspiel.jpg","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/posts\/3820"}],"collection":[{"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/comments?post=3820"}],"version-history":[{"count":67,"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/posts\/3820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3978,"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/posts\/3820\/revisions\/3978"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/media\/3838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/media?parent=3820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/categories?post=3820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nachspielzeit.online\/json\/wp\/v2\/tags?post=3820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}